Foto. Mittagessen im Notaufnahmelager Marienfelde, 13. Juli 1961.
© Landesarchiv Berlin

Sa, 13.04.2013 - 11:00 Uhr
Verschwunden und Vergessen

GEFÜHRTE BUSTOUR ZU EHEMALIGEN FLÜCHTLINGSLAGERN IN BERLIN
11:00 - 15:00 Uhr


„Hochschwanger und mit einer zweijährigen Tochter kam ich im September 1953 im Notaufnahmelager Marienfelde an. Wie hatten es uns schlimmer vorgestellt“, erinnerte sich die mit ihrem Mann aus Zotten geflüchtete Zeitzeugin Gisela Blädtke. Die 47 Teilnehmer der Bustour „Verschwunden und Vergessen“ erhielten lebhafte Einblicke in die Aufnahmebedingungen, die Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR in West-Berlin vorfanden.
Die Berliner Historikerin Katharina Hochmuth gestaltete die Tour am 13. April 2013 im Rahmen der Feierlichkeiten „60 Jahre Notaufnahmelager Marienfelde“. Ausgehend vom ehemaligen Notaufnahmelager Marienfelde, der zentralen Anlaufstelle für DDR-Flüchtlinge, führte die Fahrt zu neun ehemaligen Flüchtlingslagern, Dienststellen und Abflugbaracken. Sie waren bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms aus der DDR zentral, sind mittlerweile jedoch weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Was heute nicht mehr sichtbar ist, veranschaulichte Katharina Hochmuth anhand von historischen Fotografien, Filmmaterial, Zeitungsberichten und Tagebucheinträgen. Gisela Blädtke, die nach Marienfelde im Lager am Karlsbad, in der Flottenstraße und in Schlachtensee untergebracht war, ergänzte die Ausführungen mit ihren lebendigen Erinnerungen.

Die erste Station der Tour, das ehemalige „Zentrale Mädchenlager“ in der Gersdorfstraße, hat keinerlei Spuren im Stadtbild hinterlassen. Das Lager in der Volkmarstraße dagegen war in einem Fabrikgebäude untergebracht, das heute als Firmengelände genutzt wird. Ebenfalls noch erhalten ist die sogenannte Grüne Baracke am Flughafen Tempelhof. Das Gebäude diente als Unterkunft für Flüchtlinge, die auf ihren Abflug in die Bundesrepublik warteten.


Das frühere Flüchtlingslager in der Papestraße war vierter Anlaufpunkt der Tour. Hier konnten sich die Teilnehmer bei einem Ausstieg einen Eindruck von dem Gebäude verschaffen. Historische Bilder verdeutlichten zudem die Lagersituation. Weiter ging es vorbei am Fichtebunker und an dem Lager in der Cuvrystraße, das direkt an der ehemaligen Sektorengrenze lag. Einige Teilnehmer konnten sich daran noch sehr gut erinnern. Das „Vorzeigeheim“ unter den West-Berliner Lagern, „Henri Dunant“ am Askanischen Platz, war die nächste Station. Zuletzt wurde das Lager am Karlsbad angesteuert, in dem auch Frau Blädtke gelebt hatte.

Sie spendierte zum Abschluss Sekt für alle Gäste. „Jedes Jahr stoßen wir am 19. September, am Tag unserer Ankunft in Marienfelde an“, so die Zeitzeugin.

Fotos:© ENM - Nadine Hoffmann