Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Freitag, 20. September 2019
Neue Sonderausstellung „Mauern / Walls“

Berlin, 20. September 2019 – In der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ist ab sofort die neue Sonderausstellung „Mauern / Walls“ zu sehen. Die Ausstellung mit 42 Fotografien porträtiert drei europäische Städte, die im 20. Jahrhundert eine sehr spezifische Teilungserfahrung machten: Berlin, Gorizia/Nova Gorica (Italien-Slowenien) und Sarajevo (Bosnien-Herzegowina). In vergleichender Perspektive wird thematisiert, was die Teilung für die drei Städte bedeutete. Die Ausstellung ist bis zum 22. Dezember Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Sie ist Teil des europäischen Kooperationsprojekts OBSERVING WALLS: 1989-2019.

Die Fotos wurden von den unterschiedlichen Projektpartnern, Museen in Ljubljana, Sarajevo und Berlin zusammengetragen. Ergänzt wird die historische Dokumentation durch Berichte von Menschen, die die Teilung, das Abgeschnittensein von nahestehenden Menschen und Fluchten persönlich miterlebten. Eine künstlerische Auseinandersetzung bieten die als Video gezeigten Sketche der Comedy-Gruppe „Top Lista Nadrealista“ mit ihren satirischen und prophetischen Kommentaren zur poli¬tischen Situation in Bosnien-Herzegowina.

Die Ausstellung macht deutlich, dass ‚Grenzen‘ und ‚Mauern‘ sehr Unterschiedliches meinen können: In Nova Gorica/Gorizia schwächte sich, ganz im Gegensatz zu Berlin, das harte Grenzregime an der jugoslawisch-italienischen Grenze Mitte der 1950er Jahre ab und eine Art ‚kleiner Grenzverkehr‘ entstand. Im belagerten Sarajevo dienten selbsterrichtete ‚Mauern‘ aus alten Autos, Containern und Gebäudeteilen den Bewohnern als Schutz vor Scharfschützen, auch wenn sie die Bewegungsfreiheit einschränkten.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Axel Klausmeier, sagte anlässlich der Eröffnung: „Die Ausstellung weitet den Blick auf mitunter auch unsichtbare Mauern, auf andere Grenzregime, die grundsätzlich anders als etwa die Berliner Mauer funktionierten. Es geht um die Analyse von Vergleichbarem, aber auch um die Analyse von Unterschiedlichem. Es geht um Kontexte. Insofern macht die Ausstellung neugierig, sich auf die Beschäftigung mit anderen Fallstudien von gesellschaftlicher Trennung einzulassen.“

Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte und Co-Kuratorin der Ausstellung erklärt: „Die Ausstellung fragt danach, wie heute mit den früheren Trennungen und ihren Opfern umgegangen wird. Gibt es wieder ein gemeinsames Leben, gelingt ein angemessenes Gedenken an die Opfer? Und über das Beispiel der drei Städte hinausgehend: Was bedeuten Grenzen in Europa heute gemessen an den Hoffnungen, die mit den politischen Umbrüchen 1989/90 und der EU-Erweiterung verbunden waren?“

Berlin ist 28 Jahre lang geteilt: Von 1961 bis 1989 trennt eine Mauer den Ostteil der Stadt von den westlichen Bezirken. Gorizia verliert Teile seines Stadtgebiets, als 1947 die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien neu gezogen wird. Die östliche Vorstadt und der Bahnhof kommen zu Jugoslawien. Als sozialistische Planstadt entsteht daraus Nova Gorica. Nach Auflösung der Republik Jugoslawien 1991 gehört die Stadt zu Slowenien. Das Land tritt 2004 der Europäischen Union bei. Der Zaun zwischen Gorizia und Nova Gorica wird abgebaut. In der Teilrepublik Bosnien-Herzegowina mit der Hauptstadt Sarajevo führt der Zerfall Jugoslawiens zum bewaffneten Konflikt. Muslimische Bosniaken, bosnische Kroaten und bosnische Serben streiten um die Gründung eines unabhängigen Staates. 1992 beginnt die Belagerung Sarajevos, die erst 1996 endet. In dieser Zeit sind die Stadt und ihre Bewohner gespalten.

Kuratorinnen der Ausstellung: Dr. Kaja Širok, Urška Purg | Mitarbeit: Nationales Museum für Zeitgeschichte, Slowenien: Domen Kaučič, Historisches Museum von Bosnien und Herzegowina: Elma Hašimbegović, Tijana Križanović, Stiftung Berliner Mauer, Deutschland: Bettina Effner, Dr. Manfred Wichmann. quarrantasette | zeroquattro, Italien: Dr. Alessandro Cattunar, Štefan Čok
Die Ausstellung wurde durch das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ der Europäischen Union und das Ministerium für Kultur der Republik Slowenien ermöglicht.


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Kontakt: Hannah Berger | Pressesprecherin Stiftung Berliner Mauer
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