Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Montag, 20. März 2017
Presseeinladung: Gegen den Strom - warum Theologen aus dem Westen in die DDR übersiedelten

Berlin, 20. März 2017 – Die Stiftung Berliner Mauer lädt am 23. März gemeinsam mit dem Verein für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte zu einer Diskussion über die Übersiedlung von Theologen aus dem Westen in die DDR mit Prof. Dr. Claudia Lepp und zwei Zeitzeugen ein. Was motivierte Pfarrer aus der Bundesrepublik in die DDR zu gehen? Wie reagierten Partei und Staat in der DDR auf die unerwünschte Zuwanderung dieser Berufsgruppe? Wie gestaltete sich ihr Alltagsleben zwischen kirchlichem Dienst und gesellschaftlicher Wirklichkeit in einem atheistischen Staat?

Prof. Lepp gibt in ihrem Vortrag Einblick in ihre Studie zur West-Ost-Wanderungsbewegung im kirchlichen Bereich in den 1950er Jahren. Bischof i. R. Dr. Heinrich Rathke (Schwerin) und Gisela Iskraut (Berlin) berichten als Zeitzeugen über ihre Motivationen zu der Entscheidung für ein Leben in der DDR und ihre konkreten Erfahrungen nach der Übersiedlung. Wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erinnerungen lassen diesen Teil einer bisher wenig erzählten Geschichte der deutsch-deutschen Teilung lebendig werden. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Sonderausstellung „Wechselseitig. Rück- und Zuwanderung in die DDR 1949-1989“ statt.

In den DDR-Kirchen herrschte zu Beginn der 1950er Jahre ein akuter Mangel an Pfarrern. Studienplätze waren rar, die theologische Ausbildung vom Staat nicht erwünscht. Viele angehende Theologen studierten deshalb in der Bundesrepublik. Die Kirchenleitungen in Ost und West warben nicht nur um ihre Rückkehr in die DDR, sondern auch um die Übersiedlung von Pfarrern aus den Westkirchen. Viele wollten dem Ruf in die Gemeinden folgen. Doch die Zuwanderung von Theologen und kirchlichem Personal wurde vom SED-Staat erschwert. Sie wurden als Gegner des Sozialismus und Verfechter der imperialistischen Ideologie angesehen.

Vortrag und Zeitzeugengespräch
Gegen den Strom – warum Theologen aus dem Westen in die DDR übersiedelten


Termin: Donnerstag, 23. März 2017 | 19.00 Uhr
Ort: Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde | Marienfelder Allee 66/80, 12277 Berlin

Begrüßung:
Dr. Maria Nooke, Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde
Dr. Karl-Heinrich Lütcke, Verein für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte

Vortrag:
Wege in die DDR. West-Ost-Übersiedlungen im kirchlichen Bereich
Prof. Dr. Claudia Lepp, Ludwig-Maximilians-Universität München

Zeitzeugengespräch:
Bischof i.R. Dr. Heinrich Rathke, Schwerin
Gisela Iskraut, Berlin

Moderation:
Dr. Jacqueline Boysen

In Kooperation mit dem Verein für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte


Zu den Gästen:

Claudia Lepp ist seit Mai 2014 apl. Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2000 leitet sie dort die Forschungsstelle für Kirchliche Zeigeschichte. Seit 2012 ist sie Mitglied der DFG-Forschergruppe „Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik 1949-1989“ an der LMU München.

Gisela Iskraut ging 1962 – ein Jahr nach dem Bau der Mauer – in die DDR zu ihrem Verlobten, einem Pfarrer. Heute lebt sie in Berlin.

Dr. Heinrich Rathke, stammt aus einer Pfarrersfamilie in Mecklenburg. Er studierte Anfang der 1950er Jahre in der Bundesrepublik Theologie. Angesichts des Mangels an Theologen in der DDR entschloss er sich zur Rückkehr und wurde 1954 dort ordiniert. Von 1971 bis 1984 war er Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und von 1977 bis 1981 Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in der DDR. Er lebt heute in Schwerin.

Presseeinladung [PDF, 120,00 KB]

Pressekontakt
Judith Bilger
Tel.: +49 (0)30 - 75 00 84 00
E-Mail an J. Bilger