Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Mittwoch, 30. Juli 2014
Vom Risiko der Freiheit: Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zeigt ab 22. August die erste umfassende Sonderausstellung zur Fluchthilfe für DDR-Bürger

In der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde wird derzeit eine umfassende Sonderausstellung zum Thema Fluchthilfe vorbereitet. Die Ausstellung „Risiko Freiheit – Fluchthilfe für DDR-Bürger 1961 – 1989“ wird am 22. August 2014 um 19.00 Uhr eröffnet. Bei der Eröffnung werden Zeitzeugen von ihren Erfahrungen berichten.

Die Ausstellung
Es handelt sich um die erste umfassende Ausstellung zum Thema Fluchthilfe für DDR-Bürger. Sie widmet sich den unterschiedlichen Fluchthilfeaktivitäten im Zeitraum von 1961 bis 1989 als Freiheits- und Widerstandsform. Die Ausstellung geht auf die einzelnen Phasen und die spezifischen Formen der Fluchthilfe im Kontext der politischen Entwicklungen ein. Erstmals sind Originalobjekte, Fotos und Dokumente von Fluchthelfern zu sehen. Ausgewählte Biografien und Schicksale zeigen, unter welch schwierigen Bedingungen Fluchthilfe überhaupt nur möglich war.
In der Ausstellung werden die private und organisierte Fluchthilfe nach dem Mauerbau und die Kommerzialisierung der Fluchthilfe ab Mitte der 1960er Jahre dargestellt. Dabei werden auch die Veränderungen nach dem Transitabkommen 1972 thematisiert. Ein eigenes Kapitel ist den Formen der Fluchthilfe im Jahr 1989 gewidmet. Die Ausstellung ist vom 23. August 2014 bis 28. Juni 2015 zu sehen.

Fluchthilfe für DDR-Bürger
Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 stoppt die DDR gewaltsam die Massenflucht in den Westen. Trotz der tödlichen Gefahr, die nun bei der Überwindung der Grenzsperren droht, wagen weiterhin Menschen die Flucht. Unterstützung erhalten sie von Fluchthilfegruppen, die in West-Berlin spontan entstehen. Zu Beginn leisten die Fluchthelfer aus idealistischen Gründen und politischer Überzeugung Fluchthilfe für Freunde und Verwandte. Bald nimmt die Fluchthilfe auch organisierte Formen an. Mit steigendem Aufwand und wachsenden Kosten sind die Fluchthelfer gezwungen, sich ihre Aktionen bezahlen zu lassen. Damit wird Fluchthilfe zunehmend zum Geschäft und kommerzielle Interessen gewinnen an Bedeutung.
Die DDR verfolgt die Fluchthelfer als „Staatsfeinde“ und „Menschenhändler“, ihre Aktivitäten werden mit allen Mitteln bekämpft. Im Westen gelten die Fluchthelfer zunächst als Helden, die für Freiheit kämpfen und Verantwortung übernehmen. Im Zuge der neuen Ostpolitik stören sie die Annäherung zwischen beiden deutschen Staaten und agieren seit Mitte der sechziger Jahre im gesellschaftlichen und politischen Abseits.

Die Ausstellung in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde wird mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

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Pressekontakt
Judith Bilger
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