Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Mittwoch, 27. November 2013
Neue Sonderausstellung: ‚Ich war nie einer von Euch!’ Der Künstler Rainer Bonar zwischen Ost und West

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde würdigt RAINER BONAR mit ihrer neuen Sonderausstellung als einen Künstler, dessen Werk zentrale Motive der Kunst im geteilten Deutschland repräsentiert. Die Ausstellung rückt den unbekannten Nachlass dieses vielseitigen Malers, Grafikers und Fotografen ins Zentrum. RAINER BONARS Werk steht im Spannungsfeld von künstlerischer Freiheit und staatlicher Kontrolle in der DDR sowie für Ausreise und Neuanfang in West-Berlin.

RAINER BONAR (1956–1996), geboren als RAINER LIETZKE, war Zeit seines Lebens ein Unbequemer. Bereits als 17-Jähriger eckte er an, als er 1972 ein Triptychon „Schießbefehl“ malte. Bevor der Staatssicherheitsdienst der DDR ihn verhaftete, verbrannte er sein eigenes Werk. Dennoch wurde er verhört und kam zwei Tage lang in Untersuchungshaft. Später, als er zur Nationalen Volksarmee der DDR eingezogen worden und als Regimentsmaler tätig war, zog er sich erneut den Unmut staatlicher Stellen auf sich: In seinen Diensträumen malte er Bilder, die nicht im Einklang mit der offiziellen Politik standen. Die Werke wurden beschlagnahmt, teils vernichtet, BONAR erneut verhaftet und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Aus seiner frühen Schaffensphase zeigt die Erinnerungsstätte u.a. sein „Sozialistisches Stillleben“ mit Hammer, blutiger Sichel und toter Friedenstaube.

RAINER BONAR war in der Kunstszene in Prenzlauer Berg verwurzelt und u.a. mit BÄRBEL BOHLEY und ROBERT REHFELDT befreundet. Für eine Ausstellung in der Kunsthochschule Weißensee malte er den Liedermacher WOLF BIERMANN als heldenhaften, toten Soldaten. Den preußischen Ikarus, den BIERMANN besungen hatte, griff BONAR in seinen Werken immer wieder auf. 1981 siedelte RAINER BONAR nach West-Berlin über. Er legte seinen Geburtsnamen LIETZKE ab, auch um einem Freund unerkannt zur Flucht über Ungarn in den Westen zu verhelfen. Als der Fluchtversuch scheiterte, kam BONAR kurzzeitig in ungarische Haft, sein Freund wurde der DDR überstellt.

Im westdeutschen Kunstbetrieb musste RAINER BONAR erst einmal seine Rolle finden. Er absolvierte ein Studium der Malerei an der Kunsthochschule Köln und engagierte sich im Vorstand des Berufsverbands Bildender Künstler Berlins (BBK). Zudem arbeitete er als Referent für politische Stiftungen, führte in den 1990er Jahren Weiterbildungen für Kunstlehrer an der Universität Potsdam durch und war journalistisch tätig. Bezugspunkt seiner künstlerischen sowie kultur- und bildungspolischen Arbeit blieb die kritische Auseinandersetzung mit der DDR. Mit seinen Stadtplanübermalungen, mit Fotos und auch filmisch nahm er zudem Berliner Rand- und Grenzlagen in den Blick. 1996 starb RAINER BONAR durch Freitod.

„Mit dieser Ausstellung rücken wir einen Künstler ins Licht, dessen Arbeit mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihr bisher zuteil wurde. Sein Leben und sein Werk kreisten um politische Selbstbestimmung und um die Möglichkeiten künstlerischer Freiheit. In seinen Bildern greift er zentrale Themen und Motive der Kunst im geteilten Deutschland auf. Insofern steht RAINER BONAR exemplarisch für eine Künstlerbiografie zwischen Ost und West“, erläutert BETTINA EFFNER, die die Ausstellung gemeinsam mit KATHARINA HOCHMUTH kuratiert hat.

Öffnungszeiten: Di – So 10.00 – 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Eröffnung 28.11.2013 19:00 Uhr
Laufzeit: 29.11.2013 – 30.03.2014


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