Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Dienstag, 9. April 2013
Jubiläum "60 Jahre Notaufnahmelager Marienfelde"

Am 14. April 1953 eröffneten der damalige Bundespräsident Theodor Heuss und Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter feierlich das Notaufnahmelager Marienfelde. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde begeht den 60. Jahrestag dieses historischen Ereignisses mit einem 4-tägigen Veranstaltungsprogramm vom 11. bis 14. April 2013. Bis zum Ende der DDR 1990 passierten 1,35 Millionen DDR-Flüchtlinge und -Übersiedler sowie von 1962 bis 2010 rund 96.000 Aussiedler dieses schmale „Tor zur Freiheit“. Heute leben rund 600 Menschen in den historischen Gebäuden, die derzeit als Übergangwohnheim für Asylbewerber und Flüchtlinge dienen.

Die Feierlichkeiten beginnen am 11. April um 19.30 Uhr mit der Podiumsdiskussion „Menschen im Übergang. Flucht, Migration und Integration gestern und heute“, an der auch Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, teilnimmt.
Am 12. April 2013 diskutieren Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr auf der Tagung „Flüchtlingslager im Nachkriegsdeutschland“ aktuelle Forschungsergebnisse zu Lagern im Kontext des Kalten Krieges und erforschen den Stand der Umgestaltung ehemaliger Lager zu Erinnerungsorten und Museen. Am Abend um 18.00 Uhr stellt der Historiker Dr. Keith Allen sein Buch, die neue Publikation der Stiftung Berliner Mauer, „Befragung - Überprüfung – Kontrolle: Die Aufnahme von DDR-Flüchtlingen in West-Berlin bis 1961“ vor. Bei der Bustour „Verschwunden und Vergessen“ am 13. April 2013 führt die Historikerin Katharina Hochmuth Interessierte von 11.00 bis 15.00 Uhr zu ausgewählten früheren Standorten von Flüchtlingslagern, Behörden und Abflugbaracken in der Stadt.
Den Höhepunkt des Programms bildet der Festakt mit Bundespräsident Joachim Gauck und dem Bürgermeister von Berlin Frank Henkel sowie Zeitzeugen am 14. April um 11.00 Uhr. Alle Veranstaltungen finden in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde statt.

„Mit unserem Jubiläumsprogramm würdigen wir das Notaufnahmelager Marienfelde als lebendigen Ort der deutsch-deutschen Geschichte und der Migration. Für viele Flüchtlinge und Asylbewerber heute ebenso wie für DDR-Flüchtlinge und -Übersiedler ist die Ankunft hier unmittelbar mit dem Beginn eines neuen, freieren Lebens verbunden. Heute kann man sich in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde vergegenwärtigen, wie politische Entwicklungen im geteilten Deutschland mit den persönlichen Lebenswegen der Geflohenen verwoben sind. Mit den Jubiläumsveranstaltungen begeben wir uns von hier aus auf die Reise zu anderen Flüchtlingslagern, erweitern so den Blick über den historischen Ort hinaus und fragen nach dem Umgang mit Geschichte heute“, kommentiert Prof Dr. Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer, das Programm.

„Für uns ist das Jubiläum auch Anlass, zurückzublicken auf die Geschichte der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, die 1993 mit einer ersten Ausstellung begann. Den Mitgliedern des Fördervereins ist es zu verdanken, dass sich heute an diesem geschichtsträchtigen Ort Besucher über die deutsch-deutsche Fluchtbewegung und über Hintergründe aktueller Migration informieren können. Die Gäste spüren, dass das Museum maßgeblich von Zeitzeugen mitinitiiert wurde und dass sie hier Geschichte aus erster Hand erleben können“, erläutert Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.

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