Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Dienstag, 19. Februar 2013
Vorbereitungen zum Jubiläum "60 Jahre Notaufnahmelager Marienfelde" in vollem Gang

Am 14. April 1953 eröffneten der damalige Bundespräsident Theodor Heuss und Berlins Regierender Bürgermeister Ernst Reuter feierlich das Notaufnahmelager Marienfelde. Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde begeht den 60. Jahrestag dieses historischen Ereignisses mit einem aufwändigen 4-tägigen Veranstaltungsprogramm. Höhepunkt der Feierlichkeiten wird der Festakt am 14. April 2013 in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck und von Bürgermeister und Senator für Inneres und Sport von Berlin Frank Henkel sein. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gang.

Es war der massenhafte Zustrom von Flüchtlingen aus der DDR, der vor 60 Jahren zum Neubau eines zentralen Notaufnahmelagers in West-Berlin führte. Bis zum Ende der DDR 1990 passierten 1,35 Millionen DDR-Flüchtlinge und Übersiedler sowie von 1962 bis 2010 rund 96.000 Aussiedler dieses schmale „Tor zur Freiheit“. Bis heute ist das ehemalige Notaufnahmelager Marienfelde ein lebendiger Ort der Migration. Seit Dezember 2010 werden die Gebäude vom Internationalen Bund im Auftrag des Landes Berlin als Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylbewerber genutzt. Zudem hat die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde hier ihren Sitz.

Als Höhepunkt des vielfältigen Programms würdigen Bundespräsident Joachim Gauck und Bürgermeister und Senator für Inneres und Sport von Berlin Frank Henkel am 14. April 2013 die zentrale Bedeutung des Ortes für die deutsch-deutsche und die Migrations-Geschichte der Stadt in einem Festakt.

Am 11. April 2013 startet das Programm mit einer Abendveranstaltung zum Thema „Menschen im Übergang. Flucht, Migration und Integration gestern und heute“. Nach einem Vortrag von Prof. Dr. Jochen Oltmer (IMIS Osnabrück) diskutieren Autoren, Politiker, Historiker und Zeitzeugen über Flucht, Migration und Integrationsprozesse nach 1945. Auf dem Podium nehmen u.a. Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, und die Schriftstellerinnen Merle Hilbk und Susanne Schädlich Platz.

Am 12. April 2013 lädt die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zum Symposium „Flüchtlingslager im Nachkriegsdeutschland“ ein. In drei Sektionen widmen sich Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen den Themen „Flüchtlingslager während des Kalten Krieges“, „Stadt, Land und Lager“ sowie „Lager als Erinnerungsorte“. Ziel der wissenschaftlichen Tagung ist es, aktuelle Forschungsergebnisse zu Lagern im Kontext des Kalten Krieges zu diskutieren und den Stand der Umgestaltung ehemaliger Lager zu Erinnerungsorten und Museen darzustellen.

Am Abend stellt die Stiftung Berliner Mauer ihre neue Publikation „Befragung - Überprüfung – Kontrolle: Die Aufnahme von DDR-Flüchtlingen in West-Berlin bis 1961“ vor, die von dem Historiker Keith Allen erarbeitet wurde. Der Autor beschäftigt sich darin mit den politischen Befragungen der Flüchtlinge durch die westlichen Geheimdienste und untersucht die Rolle der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) sowie des Untersuchungsausschusses freiheitlicher Juristen (UfJ) im Aufnahmeverfahren. So erschließt er eine neue, akteursbezogene Perspektive auf das Thema Flucht im geteilten Deutschland.

Am 13. April 2013 lädt die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zu einer besonderen Bustour ein. Die Historikerin Katharina Hochmuth führt Interessierte unter dem Motto „Verschwunden und Vergessen“ zu ausgewählten früheren Standorten von Flüchtlingslagern, Behörden und Abflugbaracken in der Stadt. Dort, wo die Orte aus dem Stadtbild verschwunden sind, veranschaulichen Fotos und Filme, was hier einst existierte.

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