Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Mittwoch, 14. November 2012
Hans-Dieter Dubrow - Engagement für die Freiheit

Am 30. Oktober 2012 ist Hans-Dieter Dubrow, ein engagierter Zeitzeuge der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, im Alter von 81 Jahren gestorben. Hans-Dieter Dubrow, 1930 in Berlin-Schöneberg geboren und in Stettin aufgewachsen, floh mit seiner Ehefrau 1958 nach West-Berlin. Sein Fluchtkoffer steht als Bronzedenkmal vor der Erinnerungsstätte. Für Walter Momper, den ehemaligen Regierenden Bürgermeister und Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, der das Denkmal gemeinsam mit Herrn Dubrow 2005 einweihte, steht der Koffer für den Mut der Verzweiflung, der vier Millionen DDR-Flüchtlinge und -Übersiedler zum Verlassen der DDR trieb.

Hans-Dieter Dubrow arbeitete als Lehrer in Berlin-Köpenick, als man ihn und seine Frau, auch eine Lehrerin, eines „fehlenden Klassenstandpunkts“ bezichtigte. Er hatte bei der Volkskammerwahl geheim gewählt und daraufhin nach den Sommerferien von Bezirksverordneten Besuch in seinem Unterricht erhalten. Hans-Dieter Dubrow und seine Frau waren nicht bereit, über Eltern zu berichten, die ihre Kinder nicht zur Jugendweihe und in die FDJ schicken wollten. Die Schulleiterin wollte Hans-Dieter Dubrow „zur Bewährung in die Produktion“ abschieben. Als Freunde das Ehepaar warnten, sie seien in Gefahr, packten die beiden Lehrer die nötigsten Sachen in den Koffer und flüchteten am 22. Januar 1958 mit der S-Bahn nach West-Berlin. Hans-Dieter Dubrow fand mit seiner Frau eine neue Heimat in West-Berlin.

Hans-Dieter Dubrow durchlief im Notaufnahmelager Marienfelde das vorgeschriebene Notaufnahmeverfahren. Danach musste er ein Zusatzstudium an der pädagogischen Hochschule absolvieren. Er beendete seinen Schuldienst 1995 als leitender Schulrat. Für ihn war das Weitergeben seiner Lebensgeschichte und das Eintreten für die Freiheit wichtig. Deshalb engagierte er sich bei der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde als Zeitzeuge und erzählte Schülern und Besuchergruppen von seinem Leben in der DDR, seinen Gründen für die Flucht und dem Ankommen im Westen. Mit seinen anschaulichen Schilderungen hat er die Lebensverhältnisse in der DDR und den Neubeginn im Westen für heutige Generationen lebendig werden lassen. Als Mitglied des Zeitzeugengremiums, das die Erinnerungsstätte bei der Einrichtung der aktuellen Dauerausstellung beriet, hat er überdies entscheidend dazu beigetragen, dass die Gedenkstätte bei den Besuchern ein beliebter Ort der Vermittlung deutsch-deutscher Geschichte geworden ist.

Sein Koffer ist heute als bleibendes Mahnmal vor der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ein Symbol für die Freiheit.

Wir verlieren mit Hans-Dieter Dubrow nicht nur einen wachen und reflektierten Zeitzeugen, sondern auch einen humorvollen, warmherzigen Menschen. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen.

Bettina Effner
Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

Dr. Helge Heidemeyer
Vorsitzender des Fördervereins


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