Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Dienstag, 19. Juni 2012
Vorbereitungen für die neue Sonderausstellung "Freigekauft – Wege aus der DDR Haft" in vollem Gang

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde bereitet derzeit ihre neue große Sonderausstellung "Freigekauft – Wege aus der DDR-Haft" vor. Diese erste ausführliche Ausstellung zum Thema Freikauf wird am 7. August 2012 um 19.00 Uhr eröffnet. Im Zwiespalt zwischen humanitärer Aktion und Menschenhandel sind die Freikäufe politischer Häftlinge in der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland bis heute umstritten. Die neue Sonderausstellung stellt Filminterviews mit freigekauften Häftlingen in den Mittelpunkt. Darüber hinaus veranschaulichen persönliche Lebenszeugnisse, Dokumente und Fotografien Erfahrungen und unterschiedliche Interessen der Beteiligten ebenso wie die politische Dimension des Freikaufs vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und des Ost-West-Konflikts.

Die Aktionen zählen zu den geheimsten Kapiteln der deutsch-deutschen Geschichte: Von 1963 bis 1989 kaufte die Bundesregierung über 33.000 politische Häftlinge aus Gefängnissen der DDR frei – Menschen, die meist wegen Fluchtversuchen, Fluchthilfe oder Widerstandshandlungen vom SED-Regime verfolgt und inhaftiert worden waren. Im Gegenzug erhielt die DDR Warenlieferungen im Wert von über drei Milliarden DM.

Die Mitarbeiterinnen der Erinnerungsstätte haben eingehend recherchiert und zahlreiche Zeitzeugen interviewt. Anhand sechs exemplarischer Biografien von einst Freigekauften aus unterschiedlichen Jahrzehnten erzählt die Ausstellung von politischer Haft in der DDR, dem Ablauf des Freikaufs und den Bedingungen des Neuanfangs. Akteure von staatlicher und kirchlicher Seite erläutern den Besuchern die politische Dimension des Freikaufgeschäftes. "Die Suche nach Exponaten war nicht ganz einfach. Schließlich wurde der Freikauf weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzogen. Aber wir haben viele interessante Exponate von Zeitzeugen gefunden, die einen sehr persönlichen Blick auf dieses wichtige Kapitel deutsch-deutscher Zeitgeschichte werfen", erläutert Lucia Halder, die Kuratorin der Ausstellung.

"Mit dieser Schau nehmen wir uns eines Themas an, das bisher noch nicht in einem Museum behandelt wurde, und schreiben damit Ausstellungsgeschichte. Wir möchten den Freikauf aus der Perspektive der Betroffenen eingehend beleuchten, ohne den politischen Aspekt zu vernachlässigen. Deshalb freuen wir uns, in unserer Ausstellung auch Interviews mit so kompetenten Freikauf-Experten wie Ludwig A. Rehlinger und Reymar von Wedel zeigen zu können", ergänzt Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.

Die Ausstellung wird mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

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Pressekontakt
Judith Bilger
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