Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Montag, 20. Februar 2012
Neue Veranstaltungsreihe: „Streng geheim“ – Das Notaufnahmelager Marienfelde und die Nachrichtendienste

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde startet eine neue Veranstaltungsreihe, die sich dem Notaufnahmelager und den Nachrichtendiensten widmet. Den Auftakt bildet ein Vortrag des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom am 23. Februar 2012 um 19.00 Uhr. Darin gibt Erich Schmidt-Eenboom einen Überblick über die Tätigkeit westlicher Nachrichtendienste im Notaufnahmelager Marienfelde. Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrages liegt auf der Bedeutung des Befragungswesens für die Dienste.

Von 1953 bis 1990 durchliefen 1,35 Millionen Menschen, die aus der DDR geflohen waren, das Notaufnahmelager Marienfelde. Sie mussten sich dem Bundesnotaufnahmeverfahren unterziehen, in dem Beweg- und Hintergründe ihrer Flucht geprüft wurden. Bereits in einem frühen Stadium des Verfahrens kamen die Flüchtlinge mit westalliierten und bundesdeutschen Nachrichtendiensten in Berührung, von denen mehrere auf dem Gelände des Lagers vertreten waren. Ihre Aufgabe war es, die Einschleusung von Spionen zu verhindern, aber auch, Informationen über die Herkunftsgebiete der Geflüchteten zu sammeln.

Dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) galt das Lager als „Feindobjekt“ und wurde ausgespäht. Die Geheimpolizei interessierte sich für die Fluchtwege und -helfer derjenigen, die der SED-Diktatur den Rücken gekehrt hatten, für Einzelheiten des Notaufnahmeverfahrens sowie für die Dienststellen vor Ort. Auch vor Entführungen schreckte man nicht zurück.

Die Geschichte dieser nachrichtendienstlichen Tätigkeit in und gegen Marienfelde ist wenig erforscht. In der Veranstaltungsreihe widmen sich profilierte Geheimdienstexperten und -historiker ebenso wie Nachwuchswissenschaftler, die aus laufenden Forschungsprojekten berichten, diesem spannenden Thema.

Die Termine:
(wenn nicht anders angegeben, ist der Veranstaltungsort die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde)

23.2.2012, 19 Uhr Das Notaufnahmelager Marienfelde und die westlichen Nachrichtendienste
Vortrag von Erich Schmidt-Eenboom mit anschließendem Gespräch

26.4.2012, 19 Uhr Humanitäre Organisation und Nachrichtendienst: die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ (KgU) im Notaufnahmeverfahren
Vortrag von Dr. Keith Allen und Enrico Heitzer mit anschließendem Gespräch

5.7.2012, 19 Uhr „Freiheit für Dr. Linse!“ Stasi-Entführungen im geteilten Berlin
Vortrag von Susanne Muhle und Podiumsgespräch mit Dr. h.c. Karl Wilhelm Fricke, Dr. Klaus Bästlein und Gerd Sommerlatte (angefragt)
Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119

31.7.2012, 19 Uhr Die West-Geheimdienste und die Flüchtlinge aus der DDR. Flüchtlinge und Spione im „goldenen Zeitalter“ der westlichen Spionage (1945-1965)
Vortrag von Prof. Paul Maddrell, Universität Loughborough (England), anschließend Expertengespräch mit Prof. Bernd Stöver, Universität Potsdam

1.11.2012, 19 Uhr „Feindobjekt“ Marienfelde. Das Ministerium für Staatssicherheit und das Notaufnahmelager
Vortrag von Dr. Burghard Ciesla mit Diskussion

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Pressekontakt
Judith Bilger
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