Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Donnerstag, 7. Juli 2011
Neue Sonderausstellung in Marienfelde. 50 Jahre Mauerbau – Projekte in Vorbereitung

In der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde laufen die Vorbereitungen für Veranstaltungen anlässlich des Gedenkjahres "50 Jahre Mauerbau" auf Hochtouren. Derzeit wird die neue Sonderausstellung "Verschwunden und Vergessen. Flüchtlingslager in West-Berlin" konzipiert, die am 4. August 2011 um 19:00 Uhr eröffnet wird. Außerdem proben die drei Schauspieler/innen Saskia Kästner, Frank Roder und Lale Weisshaar die Theaterszenen "Mit der S-Bahn in den Westen", die im Rahmen der Ausstellung "DER GETEILTE BAHNHOF" (5.-15.08.2011) am 13. und 14. August 2011 zwischen 11:00 und 15:00 Uhr im Bahnhof Friedrichstraße zu sehen sein werden. Unser Mitarbeiter Enrico Heitzer steht darüber hinaus in engem Kontakt mit den Zeitzeugen, die am 10. August um 19:00 Uhr bei einem Podiumsgespräch in der Erinnerungsstätte die Zeit rund um den Mauerbau im Notaufnahmelager Marienfelde beleuchten werden.

Wie das zentrale Notaufnahmelager Marienfelde waren auch die übrigen, auf den gesamten Westteil Berlins verteilten Notunterkünfte für DDR-Flüchtlinge Seismographen der politischen Situation. 80 Flüchtlingslager listet eine Aufstellung des Berliner Senats im August 1953. Mehrere davon schlossen bald, da der Flüchtlingszustrom nach dem Aufstand vom Juni 1953 zurückging. Doch blieb der Bedarf hoch. Im Vorfeld des Mauerbaus steigerte er sich noch einmal deutlich, bevor die Zahlen in den 1960er Jahren zurückgingen und die meisten der neben Marienfelde bestehenden Flüchtlingslager verschwanden.
Die Geschichte dieser Lager, die in Baracken, Fabrikgebäuden oder gar Bunkern untergebracht waren, ist ungeschrieben. Das Ausstellungsprojekt "Verschwunden und Vergessen. Flüchtlingslager in West-Berlin" begibt sich auf eine Spurensuche. Sein Herzstück ist eine begehbare Karte, auf der Informationen zu den Flüchtlingslagern zusammengetragen werden. Neben unbekannten Fotos, einem Ausstellungsfilm und Dokumenten kommen an einer Medienstation Zeitzeugen zu Wort, die über ihre Zeit in den Notunterkünften berichten.

Für das Zeitzeugenpodium am 10. August 2011 konnte die Erinnerungsstätte interessante Gesprächspartner gewinnen, die die Situation im Notaufnahmelager Marienfelde während des Mauerbaus beleuchten. Unter ihnen befindet sich Ursula Hagemann, die zu dieser Zeit vor Ort als Krankenschwester arbeitete. Zusätzlich können die Gäste bislang unveröffentlichte Filmsequenzen vom Notaufnahmelager Marienfelde aus dem Bestand der amerikanischen National Archives sehen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die Theaterszenen "Mit der S-Bahn in den Westen", die in der Ladenpassage des Bahnhofs Friedrichstraße von drei Schauspieler/innen aufgeführt werden. Die Szenen beruhen auf Zeitzeugenberichten, Zeitungsartikeln, Polizeiprotokollen, Dienstanweisungen und anderen historischen Dokumenten. In den Spielszenen kommen Flüchtlinge, Zöllner, Beobachter, Reisende aus beiden Teilen Deutschlands und S-Bahn-Mitarbeiter zu Wort. Die S-Bahn spielt eine bedeutsame Rolle in der bewegten Geschichte Berlins: Bis zum Mauerbau 1961 verband sie über die Sektorengrenzen hinweg die gesamte Stadt. Tausende Menschen pendelten täglich zwischen Ost und West. Tausende nutzten die S-Bahn aber auch, um die DDR dauerhaft zu verlassen.

Die Projekte werden von der Stiftung Deutsche Klassenlotterien Berlin, vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie vom Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gefördert.

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Pressekontakt
Judith Bilger
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