Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Donnerstag, 16. Juni 2011
Neue Sonderausstellung von Schülern in Marienfelde "Jeder Mensch ein Denkmal – Jedes Leben bedenkenswert"

Morgen um 18:30 Uhr eröffnet die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde ihre neue Sonderausstellung "Jeder Mensch ein Denkmal – Jedes Leben bedenkenswert". Mit Fragen rund um die Themen Flucht und Migration haben sich Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse der Gustav-Heinemann-Oberschule beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten zeigen sie im Rahmen des Schulprogramms der Stiftung Denkmalschutz "denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule" als Sonderausstellung in der Erinnerungsstätte. Sie haben selbst entschieden, wie sie ihre Ergebnisse präsentieren wollen, und sie selbst gestalten die Eröffnungsveranstaltung.

Wie fühlen sich Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind? Wie gestaltet sich der Neuanfang in Deutschland? Fragen wie diese haben sich die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse der Gustav-Heinemann-Oberschule gestellt. Sie haben persönliche Schicksale recherchiert, sich mit der politischen Situation im geteilten Deutschland auseinandergesetzt, eigene Umfragen gestartet und Interviews in ihrem unmittelbaren Umfeld geführt. Neben den Ergebnissen ihrer Interviewbefragungen und einem von den Schülerinnen und Schülern illustrierten Buch mit Berichten von Menschen, die selbst Kinder waren bei ihrer Flucht, findet sich unter anderem eine Weltkarte in der Sonderausstellung, auf denen die Kinder Krisen- und Katastrophengebiete markiert haben, aus denen Menschen fliehen. Auch eine Audiostation mit von den Kindern eingesprochenen Gedichten über Flucht und Migration ist dabei.

Herausgekommen ist eine bunte, abwechslungsreiche Ausstellung, die die Themen Flucht und Migration aus der Sicht von Kindern beleuchtet. Ergänzt wird ihre Sicht durch 16 Karikaturen aus dem Besitz des UNO Flüchtlingshilfe. Klischees und Vorurteile gegenüber Flüchtlingen stehen hier im Vordergrund.

"Die Schülerinnen und Schüler haben sich über den langen Zeitraum von zwei Schuljahren mit dem Thema und seinen unterschiedlichsten Verknüpfungen auseinandergesetzt. Besonders erstaunt hat mich neben dem großen Interesse der Kinder an den geschichtlichen Fakten und Hintergründen ihre Fähigkeit und Bereitschaft, sich offen, wertungsfrei und unbefangen an die Forschungsarbeit zu machen. Sie lernten zu beobachten, zu erfassen und zu hinterfragen. Sie lernten ihre Erkenntnisse zu sammeln, auszuwerten und zu präsentieren. Viele Erwachsene aus dem familiären und schulischen Umfeld der Kinder begrüßten die Projektarbeit als Anlass, Generationen übergreifend ernsthaft und sachlich ins Gespräch zu kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mädchen und Jungen von diesen vielfältigen Erfahrungen in ihrem weiteren schulischen Werdegang und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig profitieren werden", sagt Anne-Kathrin Erchembajar, ihre Lehrerin.

"Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Flucht und Migration ist integraler Bestandteil unserer politischen Bildungsarbeit. Wir haben uns sehr gefreut, dass die Gustav-Heinemann-Oberschule sich entschlossen hat, die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde als Ausgangspunkt für ihre Projektarbeit und zum Partner zu wählen. Die Sonderausstellung ist nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant, sondern auch für Erwachsene, weil sie einen unverstellten und facettenreichen Blick auf das Thema gewährt", stellt Bettina Altendorf, Bildungsreferentin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, fest.

Pressemitteilung als pdf [PDF, 130,00 KB]

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Judith Bilger
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