Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Donnerstag, 12. Mai 2011
Auftakt der Veranstaltungsreihe "Geteilte Welt": Nordkorea im Focus der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde

Am 19. Mai 2011 um 19 Uhr startet die neue dreiteilige Veranstaltungsreihe „Geteilte Welt“ der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. Der 13. August 1961 steht für die Zementierung der deutschen Teilung und für eine zugespitzte Blockkonfrontation. Die Erinnerungsstätte nimmt das Gedenkjahr zum Anlass, den Blick in einer dreiteiligen Reihe auf internationale Grenzkonflikte der Zeit und ihre Folgen zu richten. Die erste Veranstaltung widmet sich dem Leben in Nordkorea. Gezeigt wird der Film von Bernd Girrbach „Unterm Roten Stern – Alltag in Nordkorea“. Im Anschluss diskutieren der Filmemacher und der Nordkorea-Experte Christoph Moeskes die aktuelle Situation in der kommunistischen Diktatur.

Nordkorea, eines der letzten kommunistischen Länder der Erde, ist eine verschlossene Welt – arm, abgeschottet und politisch isoliert. Man fühlt sich in den Kalten Krieg zurückversetzt: Parolen preisen die Partei, den Führer und die Ideologie. Eine stark gesicherte Grenze zerreißt das Land und trennt Familien – wie einst in Deutschland. Vor allem durch Portraits einfacher Bürger versucht der Film von Bernd Girrbach, Einblicke in das alltägliche Leben der Nordkoreaner zu gewinnen. „Wir eröffnen unsere Veranstaltungsreihe mit Nordkorea, da auch hier, wie früher in der DDR, Menschen unter dem diktatorischen Regime leiden, eine militärisch gesicherte Grenze Familien zerreißt und freies Reisen unterbindet. Wir hatten bereits mehrfach Besuch von südkoreanischen Delegationen, die sich in unserer Erinnerungsstätte informierten, wie man das Gedenken an die zwischenstaatlichen Konflikte und menschlichen Schicksale einfühlsam in einer Ausstellung dokumentiert“, erläutert Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.

Die zweite Veranstaltung der Reihe „Geteilte Welt“ wird sich am 15. September 2011 um 19 Uhr mit dem Eisernen Vorhang beschäftigen, der im Nachkriegseuropa zu einer Zweiteilung führte, die quer durch Ortschaften und vormals homogene Landschaften verlief. Der österreichische Fotograf Kurt Kaindl hat in seinem kürzlich erschienenen Buch dieses „Niemandsland“ in schwarz-weißen Bildern eingefangen. Während mehrerer Reisen, die er zwischen Juli 2008 und März 2009 unternahm, hat Kaindl diese erodierte Nahtstelle dokumentiert, die auf der Halbinsel Priwall an der Ostsee beginnt und am Grenzstein von Lazaretto endet, der an der Adriaküste Slowenien von Italien scheidet. Kaindl portraitiert sowohl Menschen, die im Grenzgebiet leben und arbeiten, als auch Landschaften und Orte.

Im dritten Teil der Veranstaltungsreihe, der am 25. Oktober 2011 um 19 Uhr in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde stattfindet, betrachtet Dr. Thomas Cieslik (Uni Würzburg) Teilungs- und Vereinigungsprozesse zwischen kommunistischen und nicht-kommunistischen Staaten in vergleichender Perspektive vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute. Ob die Berlin-Krisen, die Flucht der Nationalchinesen unter Tschiang Kai-shek nach Taiwan, der Korea-, der Vietnamkrieg oder die innerjemenitischen Kriege: Alle diese Konflikte hatten ihre Ursachen in der scharfen Systemkonkurrenz des Kalten Kriegs. In der anschließenden Diskussion mit Markus Meckel, der als Mitglied der frei gewählten DDR-Regierung 1990 an den Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung teilnahm, kommen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum deutschen Fall zur Sprache.

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