Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Donnerstag, 18. November 2010
Neue Sonderausstellung in Marienfelde: Weihnachten W. Germany - DDR-Flucht und Neuanfang

Am 25. November 2010 um 19:00 Uhr wird die neue Sonderausstellung „Weihnachten W. Germany – DDR-Flucht und Neuanfang“ eröffnet, die bis zum 7. Januar 2011 in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde zu sehen sein wird. Mit Blick auf das Weihnachtsfest zeichnet die Ausstellung anhand von Schicksalen aus der Zeit bis zum Mauerbau den Weg von DDR-Flüchtlingen in die neue Heimat nach: das Weggehen aus der vertrauten Umgebung und Zurücklassen von Familie, Freunden und Besitz; das Feiern von provisorischen Weihnachten in Lagern; und schließlich das Ankommen und Einrichten im neuen Leben, in der neuen Heimat. Zu sehen sind Erinnerungsstücke von Flüchtlingen, Fotos von privaten Weih-nachtsfesten und von Weihnachtsfeiern in Aufnahmelagern sowie private Filmsequenzen.

„Weihnachten gilt als klassisches Fest der Familie sowie des Zusammenseins. Es ist eng mit Gefühlen von Zugehörigkeit, Geborgenheit und Heimat verknüpft. Die DDR-Flüchtlinge mussten vieles davon zurücklassen. Oft lebten sie lange Zeit in Lagern, ehe sie in eigene ‚vier Wände‘ zogen. An diesen Feiertagen waren sie besonders mit ihrem Verlust in seinen unterschiedlichen Facetten konfrontiert. Weihnachten ist ein Kristallisationspunkt, der einen Eindruck von den Verlusterfahrungen und Herausforderungen des Neubeginns vermittelt. Wir möchten in der Vorweihnachtszeit an diese Aspekte des Familienfestes erinnern“, erklärt Bettina Effner, Leiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde.

Das erste Kapitel der Ausstellung widmet sich dem Fest vor der Flucht. Für Gerhard Schmale, der seine Frau in der DDR-Haftanstalt Waldheim kennen gelernt hatte, ist Weihnachten bis heute ein ganz besonderer Festtag. Nach der Haftentlassung verlobten sich beide am ersten Weihnachtsfeiertag 1956. Weihnachten war damals für sie auch das Abschiedsfest von der Familie. Am Neujahrstag 1957 flohen sie gemeinsam und heirateten dann im Notaufnahmelager Marienfelde. Für Familie Wadewitz ist ein Schlitten, ein Weihnachtsgeschenk aus dem Jahr 1955, ein wertvolles Familienstück. Er erinnert sie an ihre letzte Weihnachtszeit in der DDR 1955. Als die Familie das Fest damals filmte, ahnte sie noch nicht, dass dem Vater Anfang Januar eine politische Verhaftung drohen würde, der er sich dann nur durch Flucht ent¬ziehen konnte. Der Rest der Familie folgte ihm. Den Schlitten, den sie zunächst zurücklassen mussten, schickte die Großmutter später in den Westen nach.

Nach dem Verlassen der DDR mussten viele Flüchtlinge erst einmal in Lagern und Sammelunterkünften leben. In diesem Provisorium mit wenig Privatsphäre und getrennt von der Familie mussten etliche auch Weihnachten verbringen. Anschaulich beleuchtet die Sonderausstellung, wie Organisationen wie die Evangelische Flüchtlingsseelsorge Feiern für diese Menschen organisierten, und sie zeigt mit Presseberichten und Spenden-aufrufen, dass das Weihnachten der DDR-Flüchtlinge ein öffentliches Thema war.

Das Weihnachtsfest in der neuen Heimat thematisiert der dritte Teil der Ausstellung. In seinem Zentrum stehen die Erinnerungsstücke der Familie Nieske, die im Februar 1953 aus Mecklenburg flüchtete. Bis in die jüngste Zeit hatte eine weiße Weihnachtsbaumkugel, die die Schwester von Christa Nieske zum ersten Weihnachtsfest im Westen mitbrachte, einen Ehrenplatz am Tannenbaum der Familie.

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Pressekontakt
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