Foto. Flüchtlinge in ihrer Unterkunft im Notaufnahmelager Marienfelde bei der Lektüre der Zeitung, 8. Oktober 1953.
© Landesarchiv Berlin

Freitag, 24. September 2010
Schülerwettbewerb der Stiftung Berliner Mauer "20 Jahre Deutsche Einheit" – Bekanntgabe der Gewinner

Die Jury des Schülerwettbewerbs „20 Jahre Deutsche Einheit“ der Stiftung Berliner Mauer gibt die Gewinner bekannt. Den 1. Preis im Wert von 3.000 € erhält die Klasse 11 c der Bertha-von-Suttner-Oberschule für ihre Arbeit zur Frage „Wächst zusammen, was zusammengehört?“. Den mit 2.500 € dotierten 2. Preis kann der Wahlpflichtkurs Darstellendes Spiel des 10. Jahrgangs der Gustav-Heinemann-Oberschule am 3. Oktober 2010 entgegennehmen. Den dritten Preis im Wert von 2.000 € wird die 11b des Canisius-Kollegs erhalten. Insgesamt 321 Schüler/innen aus Berlin und Brandenburg haben sich mit Projektarbeiten an dem Wettbewerb beteiligt. Die Preisverleihung findet am Tag der Deutschen Einheit in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde um 14:00 Uhr statt. Danach wird die Sonderausstellung mit ausgewählten Arbeiten in der Gedenkstätte eröffnet.

Die Jury des Wettbewerbs setzte sich aus herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur zusammen. Neben Elena Demke, Referentin beim Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, und der bekannten Schriftstellerin Jana Hensel (u. a. Zonenkinder) gehörten ihr Rainer Klemke, Berliner Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und Dr. Irmgard Zündorf, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, an.

Die Arbeit der Klasse 11 c der Bertha-von-Suttner-Oberschule überzeugte die Jury am meisten. Sie hatte sich der Frage „Wächst zusammen, was zusammengehört?“ gewidmet. Die Schüler/innen haben einen Fragebogenkatalog erarbeitet und sind in den Dialog mit ihren Lehrern aus Ost und West getreten. Damit hat die Klasse selbstständige Recherchen übernommen und hat sich ihrem täglichen Umfeld gestellt. Die Befragung der eigenen Lehrer erfordert Mut auf beiden Seiten. Die Schüler konnten Vorbehalte, Zurückhaltung, aber auch den Wunsch zur Zusammenarbeit und zum „Zusammenwachsen“ feststellen. Die Schüler haben sich sowohl vor ihrer Projektarbeit Gedanken über ihre Methode als auch im Nachhinein über die Ergebnisse gemacht. Die Präsentation in unterschiedlichen Posterformaten bietet sich sehr gut zur Ausstellung an – sie zeigt die Vielfalt der Meinungen und den Prozess des Zusammenwachsens, der – so das Fazit der Schüler – noch nicht beendet ist. Die interessante Idee, mutige Umsetzung und hohe Reflexion hat die Jury dazu bewogen, dieses Projekt mit dem Platz 1 auszuzeichnen.

Der Wahlpflichtkurs Darstellendes Spiel des 10. Jahrgangs der Gustav-Heinemann-Oberschule beteiligte sich mit einem eigens für den Wettbewerb produzierten Theaterstück, das die Schülerinnen und Schüler „Reflexionen über die Mauer“ nannten. Sie gruben in der Vergangenheit, erforschten, was Ost- und Westdeutsche in den Jahren der Teilung eigentlich übereinander wussten und befragten ihre Familien Der rund 14-minütige Wettbewerbsbeitrag überzeugte durch formale Dichte und inhaltliche Ausgewogenheit – sowohl die persönliche Sicht der Schüler/innen als auch gesellschaftliche Deutungsmuster und die historische Perspektive wurden eindrucksvoll miteinander verwoben. Diese Arbeit wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

Den 3. Preis erhält die 11b des Canisius-Kollegs. Die 27 Schüler/innen überzeugten die Jury mit der Wahl und Umsetzung von sechs verschiedenen Zugangsweisen, um die Frage „Wächst zusammen, was zusammengehört?“ zu erörtern. Das Spektrum reicht von Zeitzeugeninterviews über die Geschichte der Versöhnungskirche, Presserecherchen und Ad-hoc-Interviews zur internationalen Bewertung der Wiedervereinigung Deutschlands bis zur fotografischen Inszenierung gängiger Vorurteile über Ost und West. Eine Umfrage, bei der die Ost/West-Identifikation über die Produktwahl beim täglichen Einkauf erhoben wurde, beeindruckte die Jury durch die originelle und plausible methodische Entscheidung besonders.

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Judith Bilger
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