Foto. Flüchtlinge warten vor dem Notaufnahmelager Marienfelde auf Einlass, 14. August 1961.
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Forschung

Im Westen angekommen?
Die Integration von DDR-Zuwanderern als historischer Prozess

Forschungsprojekt gefördert von der VolkswagenStiftung

Im Zentrum des Forschungsprojektes „Im Westen angekommen? Die Integration von DDR-Zuwanderern als historischer Prozess“ an der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde und der Justus-Liebig-Universität Gießen stehen die Integrationserfahrungen der DDR-Flüchtlinge und Zuwanderer in den Jahren 1950–1989. Dabei werden mit der dicht besiedelten Stadt West-Berlin und dem Flächenland Hessen zwei sehr unterschiedliche Integrationsmilieus in den Blick genommen.

Mit Hilfe des umfangreichen Quellenbestandes lebensgeschichtlicher Interviews der Stiftung Berliner Mauer sowie schriftlicher Archivalien sollen Integrationserwartungen sowie die Möglichkeiten ihrer Entfaltung und ihres Wahrgenommenwerdens in den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten untersucht werden.

Kooperationspartner:

  • Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde / Stiftung Berliner Mauer
  • Lehrstuhl für Zeitgeschichte, Prof. Dr. Dirk van Laak, Justus-Liebig-Universität Gießen

Projektbeteiligte:

Bettina Effner, Promotionsprojekt

«Es waren ja nicht bloß andere Kulissen» – Aufnahme und Integration von DDR-Zuwanderern in den 1970/80er Jahren am Beispiel West-Berlins

Die Arbeit untersucht Integrationsprozesse von DDR-Zuwanderern im urbanen Raum West-Berlin mit seinen geografischen, politischen und sozialkulturellen Besonderheiten in den 1970/80er Jahren. Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass sich unter den Einwanderern in der Bundesrepublik die Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR durch zwei Eigenschaften auszeichneten, die in einem spezifischen (Spannungs-)Ver­hältnis zueinander standen: Laut Grundgesetzdefinition und nach allgemeinem Verständnis waren sie Deutsche. Auf der anderen Seite kamen die ehemaligen DDR-Bewohner als Migranten, die eine Grenze wenn nicht zwischen zwei Ländern, so doch zwischen zwei sehr unterschiedlichen Politik- und Gesellschaftssystemen überschritten. Die Arbeit lotet die Implikationen dieser beiden Eigenschaften sowohl rechtlich und politisch als auch hinsichtlich der Erfahrungen der Betroffenen aus: Zum einen geht es um die mit der Staatsangehörigkeit verknüpfte Aufnahmepolitik und die Frage, wie weit das ‘nationale Argument’ zumal in den 1980er Jahren trug, als der deutschlandpolitische Konsens sich aufzulösen begann. Zum zweiten stehen Deutung und Gestaltung des langwierigen Prozesses der Mi­gration zur Debatte. Mit welchen Zielen und Interessen moderierten und regulierten Politik und Verwaltung diesen Prozess? Welche Erwartungen hatten demgegenüber die Betroffenen, wie der Wechsel verlaufen und wohin er sie führen würde? An dieser Stelle rückt wiederum West-Berlin als ‘Integrationssetting’ mit besonderen Bedingungen wie ei­ner ausgeprägten «Ehemaligenszene» in den Blick.

Bettina Effner, geboren 1971, studierte Geschichte und Germanistik in Münster und Berlin. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde seit 2003 kuratierte sie mit Helge Heidemeyer die ständige Ausstellung «Flucht im geteilten Deutschland». Der von beiden herausgegebene gleichnamige Begleitband erschien 2005 bei Ch. Links in Berlin. 2006 übernahm Bettina Effner die Leitung der Erinnerungsstätte. In dieser Funktion verantwortete sie zahlreiche Publikationen und Sonderausstellungen, u.a. «Freigekauft – Wege aus der DDR Haft» 2012/2013.

Dr. Andrea Genest, Postdoc-Projekt

Zwischen Integrationserwartungen und Integrationserfahrungen. – DDR-Zuwanderer in den 1950er und 1960er Jahren in West-Berlin

Das Forschungsvorhaben nimmt die Integrationserwartungen und -erfahrungen der DDR-Flüchtlinge und -Zuwanderer der 1950er und 1960er Jahre sowie die der Aufnahmegesellschaft in West-Berlin in den Blick. Dazu werden lebensgeschichtliche Interviews aus dem umfangreichen Bestand der Stiftung Berliner Mauer ausgewertet und mit den Möglichkeiten und Perspektiven von West-Berliner Institutionen in Bezug gesetzt, die mit der Integration der DDR-Zuwanderer befasst waren. Der Bau der Berliner Mauer, der die Phase des massenhaften Weggangs aus der DDR trennt von einer, in der nur wenigen die Flucht gelang und nur bestimmten Personenkreisen die Ausreise genehmigt wurde, befindet sich in der Mitte des Untersuchungszeitraumes.

Die Arbeit möchte sich auf einer erfahrungsgeschichtlichen sowie auf einer semantischen Ebene den Integrationsbedingungen in West-Berlin annehmen. Um die Integration der DDR-Zuwanderer und -Flüchtlinge in den Rahmen der Migrationsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland zu setzen, werden in einem weiteren Schritt die Ergebnisse der Untersuchung mit den Forschungen über die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten sowie der ersten ausländischen Vertragsarbeiter in Deutschland verglichen. Auf diese Weise soll sich der Frage genähert werden, welche Erfahrungen gruppenspezifisch, welche aber auch als migrationsspezifisch zu bewerten sind.

Dr. Andrea Genest, geboren 1970, studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Berlin. Sie promovierte 2005 zur Rezeption der politischen Krise 1968 in Polen. Wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit der Zeitgeschichte Polens und Deutschlands sowie mit Erinnerungsgeschichte. Andrea Genest arbeitete in mehreren Gedenkstätten, u.a. Auschwitz-Birkenau und in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. In der Gedenkstätte Ravensbrück war sie als Kuratorin an der 2013 eröffneten Hauptausstellung beteiligt, in der Gedenkstätte Lager Sandbostel kuratierte sie die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte des Lagers, die ebenfalls 2013 eröffnet wurde.

Florentin Mück, Promotionsprojekt

Die Integration von DDR-Zuwanderern in Hessen von 1949 bis 1989

Die Arbeit soll am Beispiel Hessens untersuchen, wie sich die Integration von DDR- Flüchtlingen und Zuwanderern in einem westdeutschen Bundesland gestaltete. Welche Rolle spielten Politik und Verwaltung in Bezug auf Hilfsangebote für die Flüchtlinge, oder die gezielte Steuerung der Flüchtlingsbewegungen? Und wie verliefen beidseitige Akkulturationsprozesse auf Seiten der Flüchtlinge und der hessischen Aufnahmegesellschaft? Ein zentraler Punkt der Arbeit wird weiterhin das Wirken und die Funktion des Notaufnahmelagers Gießen sein, welches als Erstaufnahmeeinrichtung für DDR- Flüchtlinge ab 1963 das alleinige Ventil für sämtlichen deutsch/deutschen Grenzverkehr darstellte. Weiterhin sollen Flüchtlingsverbände wie der bisher nahezu unerforschte Gesamtverband der Sowjetzonenflüchtlinge und deren Wirken in den Fokus der Betrachtung gerückt werden.

Florentin Mück, geboren 1984 in Mutlangen (Baden-Württemberg), studierte Geschichte und Anglistik in Stuttgart und Gießen. Nach Beendigung seines Studiums (2012) erschien sein Aufsatz: Gedenkveranstaltungen zum 17. Juni 1953 im Notaufnahmelager Gießen in den Mitteilungen des oberhessischen Geschichtsvereins (97/2012).


Projektkoordinatorin: Dr. Andrea Genest

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