Foto. Malklasse für Flüchtlingskinder des Lagers Cuvrystraße in Kreuzberg, Mai 1953.
© Landesarchiv Berlin

Didaktik der Ausstellung

Ziel der Ausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“ ist es, Ursachen, Verlauf und Folgen der deutsch-deutschen Fluchtbewegung zwischen 1949 und 1990 zu vermitteln. Sie folgt einer thematischen Gliederung, die es den Schüler/innen ermöglicht, den Weg eines Flüchtlings bzw. Übersiedlers anschaulich nachzuvollziehen: von der Entscheidung zu gehen und dem Grenzübertritt über das Notaufnahmeverfahren und den Alltag im Aufnahmelager bis hin zu den Herausforderungen der Integration in der neuen Heimat.

„Baukastenprinzip“

Alle sieben Themenräume der Ausstellung fügen sich zu einem Gesamtzusammenhang. Gleichzeitig bildet jeder Raum eine in sich geschlossene Sinneinheit, so dass einzelne oder mehrere Räume nach dem „Baukastenprinzip“ herausgelöst und je nach Fragestellung miteinander kombiniert werden können. Dieses Prinzip lässt sich auf der Ebene der einzelnen Kapitel in den Themenräumen wiederholen, weil die Architektur jeden Raum in klar erkennbare, überschaubare Abschnitte gliedert.

Exponate

Die Palette der Exponate ist mit über 900 Fotografien, Dokumenten, dreidimensionalen Gegenständen und Kunstwerken ausgesprochen vielfältig. Zwei Gruppen von Ausstellungsstücken sind besonders hervorzuheben: Die verschiedenen Lebenszeugnisse von Flüchtlingen und Übersiedlern aus der DDR, die Aufschluss über Verfolgungserfahrungen in der DDR, den Weg über die Grenze sowie über die Aufnahme und Integrationserfahrungen in der Bundesrepublik geben; und die materielle Überlieferung des Orte, d.h. Gegenstände und Dokumente, die über die Geschichte des Notaufnahmelagers Aufschluss geben.

Vertiefungsebenen, Medien und Textkonzept

Die Ausstellung bietet verschiedene Informationsebenen an: Während die Exponate in den Vitrinen Kerninformationen vermitteln, erlauben Quellenmaterialien, die in Schubladen und Aktenordern „entdeckt“ werden können, eine Vertiefung der Themen. Auch die zahlreichen Medienstationen der Ausstellung ergänzen und differenzieren das zu Sehende: In Audio- und Videointerviews, die eigens für die Ausstellung produziert wurden, erzählen Zeitzeugen ihre Geschichte. Ihre Berichte bringen die ausgestellten Lebenszeugnisse und Erinnerungsstücke zum Sprechen oder kommentieren das dargestellte historische Geschehen. Sie schaffen einen emotionalen Zugang zum Thema und zeigen durch ihre individuellen Sichtweisen, dass Geschichte multiperspektivisch ist. An anderen Medienstationen können zeitgenössische Film- und Tondokumente abgerufen werden, von Fernsehberichten bis hin zu Spielfilmausschnitten, Musikstücken und Hörspielen.

Wie die Präsentation der Exponate und Materialien sind auch die Ausstellungstexte hierarchisch angelegt: Raum- und Kapiteltexte führen in den historischen Kontext ein und fassen zentrale Aussagen der einzelnen Themenbereiche zusammen; Objekttexte bieten demgegenüber detaillierte Informationen zu Exponatgruppen oder einzelnen Ausstellungsstücken.

Biografischer Ansatz

Konzeptionell ist die Ausstellung dem biografischen Ansatz verpflichtet: Geschichte wird durch individuelle Lebensgeschichten (be)greifbar gemacht. Einzelne Biografien ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung; weitere biografische Berichte in verschiedenen Ausstellungskapiteln erhellen schlaglichtartig einen bestimmten Aspekt der Thematik. Die Erfahrungen der Flüchtlinge werden systematisch mit den zeithistorischen Hintergründen in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise werden politische und gesellschaftliche Zusammenhänge in den Lebensgeschichten erkennbar: Die Fluchtmotive der Menschen zeigen, wie die Durchdringung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft seitens des SED-Regimes auf das Leben und Handeln des einzelnen Menschen wirkte; der weitere Lebensverlauf im Westen veranschaulicht, welches die Bedingungen für eine gelungene (oder gescheiterte) Integration in die bundesrepublikanische Gesellschaft waren.

zurück
Themenraum Notaufnahmeverfahren

©ENM - Foto:A. Tauber

Mehr zum Thema

Besuchen Sie auch unsere Dauerausstellung...