Foto. Grundsteinlegung für das Notaufnahmelager Marienfeld am 30. Juli 1952: Der Senator für Sozialwesen Otto Bach beim Einlegen der Urkunde.
© Landesarchiv Berlin

Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler
(1964 - 2010)

Auf dem Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers befand sich bis Sommer 2010 die "Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler" (ZAB). Sie war Teil des Landesamts für Gesundheit und Soziales und unterstand damit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

Die ZAB war zuständig für die Aufnahme und Beratung der dem Land Berlin zugewiesenen Spätaussiedler. Gleichzeitig diente sie den Neuankömmlingen bis zum Bezug einer eigenen Wohnung als Übergangswohnheim. Die durchschnittliche Verweildauer betrug vier Monate.

Auf dem Gelände befanden sich außerdem die zuständigen Dienststellen für die Rehabilitierung der Opfer politischer Verfolgung in der DDR (SED-Unrechtsbereinigungsgesetz), die Statusfeststellung nach dem Bundesvertriebenengesetz sowie die Aufnahme jüdischer Zuwanderer.

Rechtliche Grundlagen

Aussiedler (seit 1993 Spätaussiedler) sind Angehörige deutscher Minderheiten, die vor dem Ende des 2. Weltkriegs ihren Wohnsitz jenseits der heutigen Ostgrenzen Deutschlands (in Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Ungarn oder Rumänien) hatten und als Folge des Krieges diese Gebiete verlassen mussten oder aus diesen Gebieten vertrieben wurden (§ 1 Bundesvertriebenengesetz). Als deutsche Volkszugehörige sind sie berechtigt, in die Bundesrepublik einzureisen und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten. Voraussetzung ist, dass sie im Herkunftsland deutsche Sprache und Kultur gelebt und sich als Deutsche bekannt haben.

Seit 1990 wird bereits vor der Einreise geprüft, ob die Antragsteller alle Voraussetzungen erfüllen. 1993 wurde das „Gesetz zur Bereinigung von Kriegsfolgen“ verabschiedet, nachdem ein Vertreibungsdruck glaubhaft gemacht werden muss; lediglich bei Spätaussiedlern aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion wird pauschal von einen „Kriegsfolgenschicksal“ ausgegangen. Seit 1996 müssen alle Einreisewilligen zudem durch eine Prüfung ausreichende deutsche Sprachkenntnisse nachweisen.

Rückläufige Zuwanderung

Von 1950 bis Mitte der 1980er Jahre kamen rund 1,5 Mio. Aussiedler in die Bundesrepublik. Gegen Ende der 1980er Jahre stiegen die Zuzugszahlen stark an. Daraufhin wurde 1993 der Zuzug quotiert: pro Jahr sollten nicht mehr als 220.000 einwandern; im Jahr 2000 wurde das jährliche Kontingent nochmals halbiert. Seither ist die Einwanderung von Spätaussiedlern fast zum Erliegen gekommen: 2006 kamen weniger als 8.000 nach Deutschland.

Der bundesweite Trend gilt auch für Berlin: Gemäß des „Königssteiner Schlüssels“ nimmt das Land seit 2005 4,93% aller in der zentralen Aufnahmestelle in Friedland/Niedersachsen eintreffenden Spätaussiedler auf. Trotz der erhöhten Quote (bis 2004 lag sie bei 2,7%) sind die Zahlen stark rückläufig. Wurden 2005 noch 1.743 Personen gezählt, waren es 2006 nur noch 393.

Aufgrund der geringen Zuwanderung wurde die zentrale Aufnahmestelle für Aussiedler an der Marienfelder Allee im Sommer 2010 geschlossen. Insgesamt wurden in Marienfelde von 1962 bis 2010 rund 96.000 Aussiedler aufgenommen.

Im Dezember 2010 wurde das Aufnahmelager reaktiviert und wird seitdem vom Internationalen Bund im Auftrag des Landesamtes für Gesundheit und Soziales als Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen genutzt.

zurück

Sie wollen mehr über die ZAB wissen?

Bitte wenden Sie sich an
Silvia Kostner
Tel.: +49 (0)30 - 90229-1014