Foto. Grundsteinlegung für das Notaufnahmelager Marienfeld am 30. Juli 1952: Der Senator für Sozialwesen Otto Bach beim Einlegen der Urkunde.
© Landesarchiv Berlin

Übergangswohnheim für Geflüchtete

Wo einst Flüchtlinge aus der DDR und (Spät-)Aussiedler aufgenommen wurden, betreibt der Internationale Bund e.V. seit 2010 ein Übergangswohnheim für Asylsuchende. Auf dem Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers Marienfelde leben heute rund 700 Flüchtlinge und Asylbewerber aus 24 Ländern. Sie sind nach Deutschland gekommen, um Schutz vor politischer Verfolgung, Krieg, Diskriminierung und Armut zu suchen.

Ihr Leben ist ein Provisorium. Die Heimat haben sie verlassen, der weitere Weg ist ungewiss. Sie warten auf die Entscheidung über ihren Asylantrag: Werden sie in Deutschland bleiben können – für eine Weile oder auf Dauer? Wird es möglich sein, eines Tages ins Heimatland zurückzukehren?

Im Übergangswohnheim unterstützen Sozialarbeiter/innen und Erzieher/innen die Flüchtlinge in dieser schwierigen Zeit bei Fragen und Problemen, z.B. bei der Vermittlung von Deutschkursen, Ärzten und Rechtsanwälten oder der Klärung von aufenthaltsrechtlichen Fragen.

Wer betreibt das Übergangswohnheim?

Zuständig für den Betrieb des Übergangswohnheims sowie die Beratung und Unterstützung der Bewohner ist im Auftrag des Landes Berlin der Internationale Bund e.V. (IB). Neben der Leitung sind zwei Verwaltungskräfte, neun Sozialarbeiter, vier Erzieherinnen und vier Hausmeister vor Ort tätig.

Der Internationale Bund, freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit, ist ein bundesweit tätiger gemeinnütziger Verein mit rund 12 000 Mitarbeitern. Sein Hauptsitz ist in Frankfurt a.M. In Berlin betreibt er Kindertagesstätten, Maßnahmen der beruflichen Bildung sowie stationäre und ambulante Einrichtungen für wohnungslose Menschen, Flüchtlinge, Asylbewerber und Spätaussiedler.

Wer wohnt im Übergangswohnheim?

Derzeit leben im Wohnheim rund 700 Menschen. Es sind Alleinstehende, Paare und Familien; rund die Hälfte der Bewohner ist unter 18 Jahre alt. Für ihre Unterbringung stehen 7 Wohnblocks mit 200 möblierten Ein- bis Dreizimmerwohnungen zur Verfügung. Bei ihrer Ankunft erhalten sie eine Grundausstattung, bestehend aus Kochgeschirr und Bettwäsche, die beim Auszug wieder abgegeben wird.

Die meisten Bewohner kommen aus Syrien (350), gefolgt von Tschetschenien (104), Afghanistan (80), Serbien (58) sowie dem Iran, Irak, Somalia, Bosnien und Mazedonien.

Die Zusammensetzung der Bewohnerschaft verändert sich ständig: Während die Gruppe der Roma aus Serbien kleiner wird, da ihre Asylanträge abgelehnt werden, kommen vor allem aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan verstärkt Menschen in Marienfelde an.

Wie leben Erwachsene im Übergangswohnheim?

Das Leben der Erwachsenen ist bestimmt von den Behördengängen und Terminen des Asylverfahrens sowie dem Warten auf eine Entscheidung über ihren Aufenthalt. Soweit ihnen Zeit bleibt, können sie im Wohnheim Angebote wie Deutschkurse, Stadtausflüge und einen Elterntreff wahrnehmen oder die heimeigenen Fitnessräume nutzen.

Eine Erwerbstätigkeit ist ihnen im ersten Jahr des Aufenthalts nicht gestattet; einige haben jedoch die Möglichkeit, auf Basis genehmigungsfreier 1-Euro-Jobs auf dem Wohnheimgelände z.B. Verschönerungsarbeiten durchzuführen oder im Essensprojekt der „Graefewirtschaft“ mitzuarbeiten.

Angewiesen auf Leistungen gemäß Asylbewerberleistungsgesetz, leben die Menschen am Existenzminimum. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Juli 2012 über die notwendige Erhöhung der bis dahin geltenden Sätze erhält der Haushaltsvorstand 346 €, der Lebenspartner 311 € und Kinder je nach Alter zwischen 205 und 277 € monatlich. Davon müssen neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Kleidung, Fahrkarten und Telefon auch Sprachkurse, Dolmetscher und Rechtsanwälte bezahlt werden. Trotz der finanziellen Belastung können die Antragsteller im Verfahren auf Rechtsbeistand meist nicht verzichten.

Emotionale Schwierigkeiten erschweren das Leben zusätzlich. Die Menschen müssen den Verlust ihrer vertrauten Umgebung, von Freunden und Verwandten, Alltag und Eigenständigkeit verkraften; manche kommen zudem körperlich oder seelisch verletzt in Deutschland an.

Wie leben Kinder und Jugendliche im Übergangwohnheim?

Das Übergangswohnheim eignet sich besonders gut für die Unterbringung von Familien - dementsprechend viele Kinder und Jugendliche leben hier. Für die Jüngsten gibt es im Wohnheim eine Kinderbetreuung. Schulkinder ohne Deutschkenntnisse besuchen benachbarte Grund- und Oberschulen mit entsprechenden Förderklassen. Sobald sie ausreichend Deutsch sprechen, wechseln sie in den regulären Schulbetrieb.

In ihrer Freizeit können die Kinder und Jugendlichen Angebote auf dem Wohnheimgelände nutzen. Neben Spiel- und Ballplätzen gibt es einen Mädchentreff, einen Jugendclub, eine Tanz- und eine Hip-Hop-Gruppe, ein Leseprojekt und Hausaufgabenhilfe. Zweimal wöchentlich sind das Pedalo-Spielemobil und das Spielemobil der Arbeiterwohlfahrt mit Sport- und Bewegungsgeräten vor Ort; außerdem werden einmal einmal wöchentlich unter dem Motto »Fußball verbindet« Fußballtraining und -spiele organisiert sowie regelmäßig Zirkusworkshops veranstaltet.

Diese Angebote sind für die Meisten die einzige Möglichkeit der Freizeitgestaltung. Wie ihre Eltern haben sie kaum Gelegenheit, am sozialen und kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen.

Wie lange leben die Menschen im Übergangswohnheim?

Die Aufenthaltsdauer ist abhängig von der Bearbeitungszeit des Asylantrags und den in Berlin verfügbaren Wohnungen. Sie liegt zwischen 6 und 12 Monaten. Wird der Asylantrag anerkannt, ziehen die Menschen möglichst rasch in eine eigene Wohnung; aufgrund fehlender Wohnungen in Berlin verlängert sich ihre Verweildauer im Wohnheim jedoch immer häufiger. Bei einer Ablehnung müssen die Flüchtlinge Deutschland verlassen und kehren in der Regel in ihr Herkunftsland zurück.

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