Foto. Malklasse für Flüchtlingskinder des Lagers Cuvrystraße in Kreuzberg, Mai 1953.
© Landesarchiv Berlin

Themenraum 7: Im Spiegel der Kunst

Der Themenraum „Flucht und Ausreise im Spiegel der Kunst“ zeigt, wie sich Künstlerinnen und Künstler in der bildenden Kunst, der Literatur, der Musik und dem Film mit der deutsch-deutschen Fluchtbewegung auseinander gesetzt haben.

An Hör- und Videostationen können zahlreiche bekannte und eine Reihe weniger bekannte Filme, Songs und Hörspiele von Künstlern aus Ost und West entdeckt werden, die sich explizit oder „zwischen den Zeilen“ mit der deutschen Teilung und ihren Folgen beschäftigen. Zu sehen sind ferner Originale und Reproduktionen aus der bildenden Kunst, Erstausgaben literarischer Werke, Manuskripte und Autographen.

Werke im Zentrum des Raumes verdeutlichen, wie insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren – der Hochphase des Kalten Krieges – in Kunst und Literatur ein grundsätzlich unterschiedliches staatliches und gesellschaftliches Selbstverständnis in Ost und West zum Ausdruck kam. Während Flüchtlinge aus DDR-Sicht als charakterschwach und nicht reif für die sozialistische Gesellschaft dargestellt wurden, galten sie aus Sicht der Bundesrepublik als starke Persönlichkeiten, die sich dem Anpassungsdruck in der DDR widersetzten.

Aber nicht nur die Abgrenzung wird thematisiert, sondern vor allem die kritische Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen Gesellschaftssystem. Ein Großteil der gezeigten Werke zeugt von den ambivalenten Gefühlen zwischen Sehnsucht und Zweifel, die viele für das Land jenseits der Grenze hegten.

Werke, die an einem langen Pult zum Lesen, Anschauen und Anhören bereit liegen und die nach zentralen thematischen Begriffen gruppiert wurden, spiegeln deutlich die persönlichen Erfahrungen von Flucht, Ausreise oder Ausbürgerung im Leben und Schaffen der Künstler: „Abschied“, „Gehen oder Bleiben“, „Leben im Niemandsland“ und “Schießbefehl“ sind Aspekte, mit denen sie sich in ihren Arbeiten über Flucht und Ausreise immer wieder beschäftigten.

Auch das Motiv des Ikarus findet sich häufig. Da Zweifel und offene Kritik an der DDR unweigerlich staatliche Repressionen nach sich zogen – vom Veröffentlichungsverbot bis zu Haft und Ausweisung – griffen viele Künstler auf die Mehrdeutigkeit mythischer Stoffe zurück. Der Ikarus-Mythos konnte dabei für vieles stehen: für den Wunsch nach Aufbruch aus der Enge, für die Sehnsucht nach dem Anderen oder als Gleichnis für Hoffnung und Scheitern.