Foto. Malklasse für Flüchtlingskinder des Lagers Cuvrystraße in Kreuzberg, Mai 1953.
© Landesarchiv Berlin

Themenraum 6: Im Westen angekommen

Der Themenraum „Im Westen angekommen“ erläutert die Integrationspolitik und -praxis der Bundesrepublik und vergleicht sie mit den Erfahrungen von Flüchtlingen und Übersiedlern.

Amtliche und private Dokumente – z.B. über Wohnungsbauprogramme, Lastenausgleich oder Integrationskurse – geben Einblick in die einschlägigen Gesetze, Leistungen und Hilfsangebote, die seit den 1950er Jahren entwickelt wurden, um ehemaligen DDR-Bürgern den Neuanfang in der Bundesrepublik zu erleichtern.

Anhand der Materialien lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie sich Integrationsprobleme im Laufe der Jahrzehnte veränderten. Stand in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Frage nach der Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge im Vordergrund, kam es seit dem Mauerbau 1961 zu Schwierigkeiten, die auf das unterschiedliche Gesellschafts- und Wertesystem in Herkunfts- und Aufnahmeland zurück zu führen waren. Eine „deutsch-deutsche Unwissenheit“ machte sich breit und bestimmte zunehmend die Erfahrungen ehemaliger DDR-Bürger in der Bundesrepublik.

In den 1980er Jahren gerieten die sozialpsychologischen Aspekte der Integration verstärkt in den Blick und wurden öffentlich diskutiert. An einer Hörstation mit Ausschnitten aus zeitgenössischen Radiointerviews kann diese Diskussion nachvollzogen werden: Neben ehemaligen DDR-Bürgern, die von ihrem Leben im Westen erzählen, kommen Sozialpädagogen, Soziologen und Psychologen zu Wort, die von ihrer Arbeit mit Flüchtlingen berichten. Auch Erfahrungen und Reaktionen von Bundesbürgern hinsichtlich der Zuwanderung werden thematisiert.

Fünf Objekte bzw. Objektensembles im Zentrum des Raums beleuchten schlaglichtartig Stationen auf dem langen Weg der Integration: Aus dem persönlichen Besitz ehemaliger Flüchtlingen stammend, sind mit ihnen Erinnerungen an schwierige wie erfolgreiche Momente verknüpft.

Ein eigenes kleines Kapitel ist der Integration jugendlicher DDR-Flüchtlinge in den 1950er Jahren gewidmet; ihr Anteil an der Zuwanderung betrug über 50 Prozent. Nicht zuletzt wegen ihrer sozialistischen Erziehung wurden sie als „Problemgruppe“ wahrgenommen. Ihre Eingliederung in die bundesrepublikanische Gesellschaft galt als besondere Herausforderung, zumal verhindert werden sollte, dass die Jugendlichen vom Westen enttäuscht in die DDR zurückkehrten.