Foto. Malklasse für Flüchtlingskinder des Lagers Cuvrystraße in Kreuzberg, Mai 1953.
© Landesarchiv Berlin

Die Flüchtlingswohnung

Die rekonstruierte Flüchtlingswohnung am Ende des Ausstellungsrundgangs – bestehend aus 2 ½ Schlafräumen, Küche und Bad – ist mit Originalmöbeln und Hausrat aus den 1950er Jahren eingerichtet.

Zusammen mit den Bildern, Dokumenten und Objekten aus der Ausstellung sowie den Berichten ehemaliger Bewohner/innen des Lagers gibt die Wohnung eine Vorstellung davon, wie die Flüchtlinge während ihres Aufenthalts in Marienfelde untergebracht waren.
Beim Bau des Notaufnahmelagers Anfang der 1950er Jahre orientierte man sich an den Standards des modernen Wohnungsbaus und schuf so eine Anlage, die sich deutlich von der damals üblichen Flüchtlingsunterbringung in notdürftig hergerichteten Massenunterkünften unterschied: Kleine, abgeschlossene Wohneinheiten, Gemeinschaftseinrichtungen und die relative Weitläufigkeit des Geländes sollten sowohl Privatsphäre als auch soziales Miteinander ermöglichen und den Flüchtlingen die Ankunft im Westen erleichtern.

Bis zum Mauerbau 1961 konnte dieser Anspruch nicht erfüllt werden: Die Zahl der Neuankömmlinge war so groß, dass die Wohnungen permanent überbelegt waren. Zeitweise standen selbst in den Küchen Doppelstockbetten, und in den Bädern, die zu klein waren für die Anzahl der Bewohner, wurde als Sparmaßnahme manchmal das Wasser abgestellt. So musste auf das gemeinschaftliche Badehaus ausgewichen werden.
Bis in die 1960er Jahre wurden die Küchen kaum zum Kochen genutzt – dazu genügten weder Raum noch Ausstattung. Verköstigt wurden die Bewohner im zentralen Speisesaal auf dem Lagergelände.

Nach dem Bau der Mauer 1961 normalisierte sich die Wohnsituation in Marienfelde. Wohnungen und Ausstattung wurden im Laufe der Jahre modernisiert; die Doppelstockbetten wurden entfernt und stattdessen Zweibett-Zimmer eingerichtet. Im Zuge der breiten Ausreise- und Fluchtwelle aus der DDR 1989 wurde noch einmal umgebaut: Es wurden erneut Doppelstockbetten aufgestellt und Zelte auf dem Lagergelände errichtet, um die vielen Neuankömmlinge aufnehmen zu können.