Der historische Ort - Geschichte und Gegenwart
Knapp vierzig Jahre lang – von 1953 bis 1990 – diente das Notaufnahmelager Marienfelde in West-Berlin als erste und zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR. Hier wurden sie untergebracht und verpflegt; hier durchliefen sie auch das Aufnahmeverfahren, um eine Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik einschließlich West-Berlin zu erhalten.
Das Notaufnahmelager war ein hochaufgeladener Schauplatz in den Auseinandersetzungen des Kalten Kriegs, an dem die Folgen des SED-Regimes unmittelbar zu spüren waren: Zahl und Berichte der Flüchtlinge boten auf dem Boden West-Berlins Einblick in ostdeutsche Politik und Lebenswirklichkeit.
Besonders in der Zeit bis 1961 hatte das Notaufnahmelager als „Tor zur Freiheit“ einen hohen Symbolwert. Westdeutsche und West-Berliner Politiker kamen nach Marienfelde, um demonstrativ ihre Solidarität mit den Flüchtlingen aus der DDR zu bekunden. Für die DDR hingegen war das Aufnahmelager ein „Feindobjekt“, denn hier offenbarte sich die Schwäche des eigenen politischen Systems, das die Menschen massenhaft aus dem Land trieb.
Aber nicht nur für Neuankömmlinge aus der DDR war das Notaufnahmelager Station auf dem Weg in den Westen. Seit 1964 kamen verstärkt Aussiedler aus Polen und später aus der ehemaligen Sowjetunion nach Marienfelde. Auch nach dem Ende des Notaufnahmeverfahrens für DDR-Flüchtlinge und Übersiedler blieb die zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler auf dem Gelände an der Marienfelder Allee; im Sommer 2010 wurde sie aufgrund der geringen Zuwanderung geschlossen.
Im Dezember 2010 wurde das Aufnahmelager reaktiviert und wird seitdem vom Internationalen Bund im Auftrag des Landesamtes für Gesundheit und Soziales als Übergangswohnheim für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen genutzt.


