Foto. Besucher bei der Eröffnung der Ausstellung 'Flüchtlingskinder malen' am 29. August 1953
© Landesarchiv Berlin - Willy Kiel

Nach der Flucht. Leben im Übergangswohnheim Marienfelder Allee

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde gestaltete gemeinsam mit dem Internationalen Bund, der auf dem Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers ein Übergangswohnheim für Asylsuchende betreibt, ab 24. Oktober 2012 im zweimonatigen Wechsel neue Elemente ihrer Dauerausstellung. Unter der Überschrift "Nach der Flucht. Leben im Übergangswohnheim Marienfelder Allee" wurden jeweils ein Videointerview mit einer hier lebenden Familie sowie ein Gegenstand präsentiert, der besondere persönliche Bedeutung besitzt. Filme und Exponate erzählen exemplarisch von den Erfahrungen der Flüchtlinge im Heimatland, ihrem Berliner Alltag und ihren Zukunftshoffnungen.

Portrait Familie Ghodoussi
Familie Ghodoussi aus Afghanistan – Ruhala Ghodoussi (48) und Marie Ghodoussi Walizadeh (42) haben keine guten Erinnerungen an Afghanistan. In dem von Taliban beherrschten Land lebten sie in Angst und Unsicherheit. 1997 flohen sie mit ihren Kindern Shafiolah (15) und Mozhda (14) in das Nachbarland Iran, wo Kobra (12), Rafiullah (9) und Younes (5) geboren wurden. Im September 2011 gelangten Marie Ghodoussi Walizadeh, Kobra und Younes nach Deutschland, Mozhda und Shafiolah folgten. Ruhala Ghodoussi und Rafiullah kamen im April 2012 im Rahmen einer Familienzusammenführung. Im Übergangswohnheim ist die Familie nach über drei Jahren das erste Mal wieder zusammen. Sie hat einen Antrag auf Asyl gestellt.
Ausstellungszeitraum: 14.05.2013 –16.07.2013


Portrait Ahmad Barakizadeh
Ahmad Barakizadeh aus Iran – Herr Barakizadeh (42) ist Künstler und lehrte am Kunstinstitut der Universität Teheran. Die Regeln und Verbote der islamischen Regierung schränkten seine Lehrtätigkeit stark ein. Er umging sie, indem er Studenten, Kollegen und andere Künstler in seiner Werkstatt traf, wo er auch politische Karikaturen und Aktzeichnungen fertigte. Jeden Moment musste er mit einer Verhaftung rechnen. Schließlich sah er sich gezwungen, den Iran zu verlassen. Seit Oktober 2011 lebt er im Übergangswohnheim; sein Asylantrag wurde im Juli 2012 anerkannt.
Ausstellungszeitraum: 12.03.2013 –12.05.2013


Portrait Familie Tello aus Syrien
Familie Tello aus Syrien – Die Familie lebte von April bis Juni 2012 im Übergangswohnheim. Sie wurde auf Bemühen des Auswärtigen Amtes nach Deutschland gebracht. In Syrien gehörte Fawaz Tello (52) zu einer Gruppe von Oppositionellen gegen die Regierung von Baschar al-Assad; 2001 wurde er aufgrund seiner Beteiligung am „Damaszener Frühling“ verhaftet. Seine Frau Rafeef Ahmed (45) sorgte während der fünfjährigen Haftzeit allein für die drei Kinder Jihad (20), Leen (18) und Nawar (12). Der syrische Geheimdienst beobachtete und bedrohte die Familie. Angesichts der Gefahr einer erneuten Verhaftung des Vaters sah sich Familie Tello gezwungen, das Land zu verlassen. Sie erhielt eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung. Die Familienmitglieder haben den Wunsch, baldmöglichst nach Syrien zurückzukehren und sich am Aufbau einer Demokratie zu beteiligen.
Ausstellungszeitraum: 08.01.2013 –10.03.2013


Portrait Familie Gedaev
Familie Gedaev aus Tschetschenien – Die Familie lebt seit Oktober 2011 im Übergangswohnheim. Usman Gedaev (47) und Luisa Muslimova (41) sind mit ihren vier Kindern Apti (19), Aischat (17), Abu (14) und Ayub (11) aus Tschetschenien geflohen. In ihrer Heimat versuchten sie, die schwierigen Bedingungen nach den Kriegen zu bewältigen. Usman Gedaev bemühte sich täglich um Arbeit und übernahm die Betreuung der Kinder; um den Lebensunterhalt zu sichern, verkaufte seine Frau Luisa Muslimova Gemüse auf dem Basar. Apti hatte eine Ausbildung fast abgeschlossen, als sie das Land verließen. Aischat, Abu und Ayub besuchten die Schule, die sie nun in Deutschland fortsetzen. Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt. Ein Anwalt erwirkte eine Verlängerung ihres Aufenthalts.
Ausstellungszeitraum: 25.10.2012 – 06.01.2013

Fotos: Familie Gedaev, Familie Tello, Ahmad Barakizadeh, Familie Ghodoussi
©ENM - Isabel Alvarez